Praxis


 

Die Probleme sind nicht das Problem, sondern die Art und Weise, wie wir darauf reagieren.

 

  • Verstricken Sie sich in endlosen Gedankengängen, die zu keiner Lösung führen?
  • Reagieren Sie sehr emotional und werden „kopflos“?
  • Erstarren Sie, fühlen sich wie gelähmt und völlig handlungsunfähig?
  • Haben Sie den Eindruck, andere Menschen müssten sich ändern, damit es Ihnen besser geht?
  • Vermeiden Sie angstauslösende Situationen grundsätzlich?

Wie Menschen mit den Herausforderungen des Lebens umgehen, Schicksalsschläge verarbeiten und schwierige Lebenssituationen meistern, ist individuell sehr unterschiedlich. Wenn Sie zu einer der oben genannten Reaktionen neigen, werden Sie vermutlich oft unzufrieden und unglücklich sein. Vielleicht fragen Sie sich, warum Sie nicht so locker mit schwierigen Situationen umgehen können, wie manche anderen Menschen. Vielleicht ärgern Sie sich über gutgemeinte Ratschläge, die Ihnen nicht weiterhelfen, weil Sie sich einfach nicht so verhalten können.

Gestalttherapeuten gehen davon aus, dass jeder Mensch die Fähigkeiten hat, kreative Lösungen für die eigenen Probleme zu finden. Allerdings kann der Zugang zu diesen Fähigkeiten  blockiert sein. Die Ursachen dafür liegen meist in der  Kindheit. In der therapeutischen Arbeit erschaffen wir darum Situationen, in denen diese Blockaden oder inneren Grenzen bewußt werden. Das ist nicht immer angenehm!  Aber an dieser innere Grenze liegt die Möglichkeit, den eigenen Handlungsspielraum auszuweiten und Erkenntnisse zu gewinnen.

 

Ein Beispiel:Praxisraum

Sie berichten über einen Konflikt mit einer Person, für den Sie keine Lösung sehen. Nachdem Sie einige Minuten davon erzählt haben,  schlage ich Ihnen ein kleines „Experiment“ vor und stelle einen Stuhl vor Sie hin. Ich bitte Sie sich vorzustellen, dass diese Person jetzt dort sitzt, und dass Sie ihr direkt sagen, was Sie so ärgert.

Wahrscheinlich passiert jetzt zweierlei:

Sie finden, das ist ein absurder Vorschlag, fangen an zu argumentieren und wollen lieber weiter über den Konflikt sprechen. Gleichzeitig spüren Sie körperliche Veränderungen: vielleicht klopft ihr Herz stärker, sie halten die Luft an, Ihnen wird kalt oder heiß oder Sie fühlen sich auf einmal völlig leer.

Beide Reaktionen sind verständlich: eine innere Grenze ist berührt. Ich werde Sie ermutigen, Ihre Gedanken und Empfindungen erstmal nur wahrzunehmen.

Vielleicht stellen Sie fest, dass Sie in ihrem  Alltag auf eine ungewohnte oder für Sie schwierige Situation genauso reagieren.

Jetzt können Sie sich entscheiden, ob Sie im geschützen Rahmen der therapeutischen Situation ausprobieren wollen, meinem Vorschlag zu folgen. Das würde bedeuten, etwas zu tun, das Ihnen absurd vorkommt und Ihre Angst und Aufregung, die in den Körperreaktionen zum Ausdruck kommt, zu akzeptieren.

Super, Sie haben Mut! Zögerlich fangen Sie also an, zu der imaginierten Person vor Ihnen zu sprechen. Nein, leicht ist das nicht, aber Sie werden merken, dass es geht, vielleicht sogar anfängt, Spaß zu machen. Endlich darf mal raus, was Sie sich sonst immer verkneifen müssen! Plötzlich merken Sie, dass außer der Aufregung noch ein anderes Gefühl auftaucht. Vielleicht Angst, vielleicht Wut, vielleicht Traurigkeit? Vielleicht gibt es auch Bilder, Erinnerungen und bestimmt viele Gedanken. All das darf da sein, darf sich zeigen und gewürdigt werden. Ich bin an Ihrer Seite und ermutige und unterstütze Sie.

Und dann haben Sie auf einmal eine neue Idee, auf die Sie vorher nie gekommen wären. Vielleicht fällt Ihnen auf einmal auf, dass das Problem gar nicht so viel mit der anderen Person zu tun hat. Sie hat nur genau den gleichen strengen Blick, den Ihr Vater früher immer hatte, wenn er nicht mit dem einverstanden war, was Sie wollten. Damals hatten Sie keine Chance gegen ihn. Das Gefühl ist innerlich gespeichert und es wird ausgelöst, wenn jemand Sie auf diese Weise ansieht.

Vielleicht „spielen“ wir noch ein bißchen mit dieser Erkenntnis: ich versuche, den strengen Blick aufzusetzen, und unser Experiment endet in großem Gelächter.

Natürlich ist dieses Beispiel ein bißchen „idealtypisch“. Es kann so kommen, aber auch ganz anders. Sie geben das Tempo vor und ich respektiere es, wenn Sie sich auf meinen Vorschlag (noch) nicht einlassen können. Vielleicht fällt mir eine Variante ein, die für Sie leichter möglich ist.

Der leere Stuhl ist nur eine Möglichkeit von vielen und er ist sehr vielseitig nutzbar. Aber vielleicht spricht es sich leichter bei einem Spaziergang in der Natur, vielleicht hilft der Kontakt mit (meinen) Tieren, vielleicht  Körperübungen, Musik oder andere künstlerische Ausdrucksformen, Meditation oder eine spirituelle Orientierung. Immer wird es jedoch darum gehen, alte Verletzungen heilen zu lassen und Fähigkeiten zu entwickeln, mit Schwierigkeiten flexibler und kreativer umgehen zu können.

 

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